Wenn ich an japanische Keramik denke, fällt mir als Erstes Bizen ein. Schon seit meiner Studienzeit bewundere ich die Schönheit der Schlichtheit, die dieser Stil ausstrahlt. Im Oktober 2025 war es endlich so weit: Ich durfte das Töpferdorf meiner Träume erkunden – einen der sechs traditionellen Ofenorte Japans.
Die antiken Anagama- und Noborigama-Ascheglasuren auf dem unglasierten Bizen-Scherben sind weltberühmt. Was mich jedoch am meisten begeistert, sind die schlichten, flammend roten Linien auf dem nackten, sienna-gelben Ton. Während unserer Keramikreise durch Japan habe ich insgeheim diesem Teil der Reise am meisten entgegengefiebert, da ich unbedingt lernen wollte, wie diese Flammenmuster auf der Keramik entstehen. Und natürlich auch, um eine eigene Bizen-Schale zu erwerben und zu Hause meinen Tee daraus zu trinken.
Bizen ist kein Dorf, sondern die frühere Bezeichnung einer Provinz. Heute heißt die Präfektur Okayama, mit der gleichnamigen Hauptstadt. Sowohl westlich als auch östlich der Stadt Okayama findet man noch immer das alte Bizen – es hat einen Moment gedauert, bis mir das klar wurde. Das eigentliche Zentrum der Bizen-Tradition liegt rund um den Ort Imbe. Und genau dorthin führt uns natürlich unsere Reise.
Das funkelnagelneue Bizen City Museum of Art strahlt mir bereits vom kleinen Bahnhof in Imbe entgegen. Das ist auch kaum zu übersehen, denn es liegt direkt daneben.
Dieses hypermoderne und hervorragend konzipierte Museum bietet einen chronologischen Überblick über die Bizen-Tradition und ist ein wahrer Genuss für Besucher. Die Töpfertradition von Bizen ist tatsächlich noch um ein Vielfaches reicher, als ich dachte, und meine geliebten „roten Linien auf sienna-gelbem Grund“ stellten sich nur als ein kleiner Teil der gesamten Tradition heraus. Dieser Hidasuki-Stil ist heute zwar die bekannteste Ausdrucksform, doch der ursprüngliche Stil ist Yohen. Dabei handelt es sich um unglasierten Ton, der durch Reduktion und Ascheanflug während des Holzbrandes eine dunkle Optik mit einem metallischen, purpurbraunen Glanz erhält.
Im Museum kann man antike Stücke aus der Momoyama-Zeit (um 1600) bewundern. Wenn man anschließend durch das Dorf schlendert, stößt man auf zahlreiche Töpferwerkstätten, die diesen Stil bis heute pflegen – mal ganz traditionell, mal mit einem modernen Twist.
Gegenüber dem Museum tauche ich direkt in das Dorf ein, um einige Werkstätten zu besuchen. Mein Ziel ist es, zwei Schalen mit nach Hause in die Niederlande zu nehmen. Natürlich möchte ich unbedingt eine Schale im Hidasuki-Stil, mit den typischen roten Linien auf dem hellgelben Ton. Aber auch eine robuste Schale aus der älteren Yohen-Tradition, mit ihrem metallischen, violetten Glanz, darf nicht fehlen. Der Kauf gelingt mir innerhalb einer Viertelstunde. Was für ein Reichtum! Diese Schalen werden einen Ehrenplatz in meiner Vitrine erhalten. Mein Tag könnte nicht schöner sein.
Ach ja, wie kommen eigentlich diese roten Linien auf die Keramik? Der Ton aus Bizen enthält eine enorme Menge an Eisen. Die Töpfer wickeln Reisstroh um die Gefäße – ursprünglich, um zu verhindern, dass die Stücke im Ofen aneinanderkleben – und so kommen sie in den Holzofen. Während des Anagama-Brandes – ein Holzbrand, der bis zu 10 bis 14 Tage dauern kann – reagiert das Kalium im Stroh mit dem Eisen im Ton. Diese Reaktion erzeugt die charmanten roten Linien auf der Oberfläche. Mal sehen, ob ich das in meinem eigenen Ofen nachahmen kann!
Geschrieben von unserer Kollegin Christel
Sie besuchte unter anderem Bizen während unserer Keramikreise nach Japan im Oktober 2025.
Möchten auch Sie die Töpferdörfer Japans entdecken? Wählen Sie einen Keramik-Reisebaustein, den wir ganz nach Ihren Wünschen gestalten – auf Wunsch sogar inklusive Hands-on-Workshops.
Die Website von Dimsum Reisen verwendet Cookies. Diese Cookies unterscheiden wir in die Kategorien funktionale, analytische, Werbe- und Social-Media-Cookies.