Und zwar nicht als Matcha Latte, sondern das pure Zeug. Woher kommt es und was machen die Japaner damit? Diese Frage ist heute die Mission von Bas (von Foodies Magazine) und mir.
Wir befinden uns in der Region Suruga, einer der großen Teeregionen Japans. Hier wächst in langen Reihen die Camellia sinensis, der Teestrauch, dessen Blätter schließlich zu Matcha gemahlen werden. Aber dazu später mehr.
Die Fotos aus der Matcha-Region sehen Sie hier.
Es sind nur etwas mehr als eine Stunde Zugfahrt von Tokio nach Kakegawa, nahe der Stadt Shizuoka. Unser Gastgeber Koichi erwartet uns am Bahnhof des kleinen Ortes. Wir steigen in ein Mini-Pausenmobil und fahren kurze Zeit später mitten durch die Teeplantagen. Dann halten wir vor einer riesigen hellgrünen Halle: der Teefabrik dieser Region. Dort werden die Blätter gewaschen, gedämpft, getrocknet und gebürstet. So entsteht der Sencha-Tee, hochwertiger grüner Tee, der in heißem Wasser zieht, aber nicht kochend heiß, sonst wird er zu bitter.
Aber das ist noch kein Matcha. Das Geheimnis ist, dass dieser Sencha-Tee vor starker Sonneneinstrahlung geschützt wird: Schwarze Tücher werden über die Pflanzen gezogen, wenn die Sonne scheint, und bei großer Hitze werden die Blätter mit riesigen Ventilatoren vom Strauch gewedelt. Dadurch erreicht der Tee die Qualität, die für Matcha nötig ist.
Der größte Unterschied zum normalen grünen Tee ist, dass dieser Spitzen-Tee zu feinem Pulver gemahlen wird und dieses Pulver trinkt man, nicht nur den Aufguss der Teeblätter. Das Mahlen zum Pulver sehen wir in der Fabrik in der letzten Halle. Ein ganz feines, leuchtend grünes Pulver. Jeder, der hier herumläuft, sieht buchstäblich ein bisschen grün aus. Und das ist der berühmte Matcha. Dieses Pulver schöpft man in die Teeschale, gießt heißes Wasser darüber und schlägt die Mischung zu schaumigem Matcha auf, am besten mit einem chasen aus Bambus. Diesen berühmten, wunderschön gestalteten japanischen Schneebesen kennt man inzwischen auch in Eruopa als trendy Must-have.
Nach unserem Besuch der kleinen Teefabrik machen wir einen kurzen Abstecher zur Großhandlung, die Suruga-Matcha und Sencha weltweit vertreibt. Zwischen großen braunen Kartons mit dem leuchtend grünen Kanji-Zeichen für Tee (茶, cha) darauf, wird uns unsere erste Matcha serviert in einer winzigen Schale. Daneben steht ein kleines Tellerchen mit einem Mini-Gebäck. Es erinnert mich an die Petit-Fours meiner Mutter zu ihren Geburtstagsfeiern früher.
Das ist Wagashi, das traditionelle japanische Süßgebäck, das man isst, bevor man den Matcha trinkt. Es hat stets die Farbe und Form eines Symbols der jeweiligen Jahreszeit. Da Herbst ist, ist das heutige Süßgebäck orange-braun und besteht aus Anko (süße Bohnenpaste) mit Saft reifer Kaki-Früchte. Ich beiße in das Wagashi und genieße es. Dann der Schluck Matcha. Er schmeckt erdig und tief, leicht bitter und zugleich irgendwo süß. Genau so soll Matcha schmecken. Man schmeckt die Umami-Note des Tees im Mund. Toll.
Der Matcha, den Bas und ich hier trinken, hat wenig mit dem Matcha Latte zu tun, den man in Europa trinkt. Das lernen wir erst im Teemuseum in Shimada, ganz in der Nähe unserer Farmstay. Dort erleben wir eine Do-it-yourself-Tezeremonie in einem perfekt nachgebauten traditionellen Teehaus in einem schönen Garten.
Denn dafür steht Matcha eigentlich: Matcha verdankt seine Existenz der Teezeremonie. Matcha wird nach einer streng vorgeschriebenen Methode zubereitet und in einer chawan getrunken, einer Keramik-Teeschale, die speziell für die Zeremonie gefertigt wurde. Die Teezeremonie und das Trinken von Matcha stehen für Achtsamkeit und entspringen dem Zen-Buddhismus. Achtsamkeit für den Moment, Achtsamkeit für die Gesellschaft, Achtsamkeit für das Ritual der Zubereitung, des Trinkens und der Wertschätzung von Matcha. Das ist Zen. Und Achtsamkeit für die natürliche Umgebung, in der man den Tee genießt.
Dazu isst man Wagashi, ein kleines, wunderschönes, leicht süßes Gebäck in der Form eines Symbols der jeweiligen Jahreszeit. Wir bekommen als Wagashi ein orange-braunes Herbstblatt aus Anko, einem süßen Teig aus Azuki-Bohnen. Schließlich ist Oktober.
Unsere Teezeremonie dauert nur eine halbe Stunde. Die echte Teezeremonie dauert Stunden, und in dieser Zeit passiert eigentlich nicht viel mehr als in unserer halben Stunde. Der Unterschied liegt in der Achtsamkeit bei jeder Handlung. Jede Handlung lässt sich noch in kleinere Teile zerlegen. Wie besonders ist das.
Wir verabschieden uns von unserer eleganten Dame im Kimono mit einem schönen Zen-Buddhistischen Spruch, der zur Teezeremonie gehört: ichi-go ichi-e. Das bedeutet so viel wie „ein Moment, eine Begegnung“, denn jede Begegnung, jeder Moment ist einzigartig und kommt nie wieder. Nimm ihn in vollen Zügen auf, schenke ihm Aufmerksamkeit, es ist eine einmalige Erfahrung. Diesen Moment stecken wir schön in unsere Tasche. Diesen Moment nimmt uns niemand mehr weg.
Christel hat diesen Blog über Matcha während ihrer Japanreise mit Bas von Foodies Magazine geschrieben.
Schauen Sie hier bei dem Reisebaustein Suruga vorbei und entdecken Sie selbst die wahre Natur von Matcha.
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