Geschrieben von Julia Kreikamp, Reisespezialistin für Japan, Südkorea und Sri Lanka, 02.06.2026
Nach all den Tempeln, Neonlichtern und der Hektik der japanischen Städte fühlt es sich wie Nachhausekommen an, wenn ich auf einem Bauernhof mitten in der Natur ankomme. Ich werde herzlich empfangen und setze mich zu einer Mahlzeit mit Gemüse aus dem eigenen Garten, Reis vom Feld und Gerichten, die mit so viel Liebe zubereitet wurden, dass man es sofort schmeckt. Diese Leidenschaft für frisches, lokales und saisonales Essen ist hier kein Trend, sondern ein Lebensstil.
Genau dort, am Küchentisch oder draußen zwischen den Feldern, bekomme ich einen Einblick in das echte japanische Leben. Mal keine Eile, sondern Ruhe, Weite, aufrichtige Gastfreundschaft und echte Verbundenheit. Das sind die Momente, die meine Reise durch Japan besonders wertvoll und unvergesslich machen!
In Japan gibt es verschiedene Arten von besonderen Unterkünften. So kann man in einem traditionellen Ryokan übernachten, wo man in Onsen-Quellen entspannen und köstlich frühstücken und zu Abend essen kann. Oder man entscheidet sich für ein Minshuku – eine kleinere, oft familiengeführte Unterkunft, vergleichbar mit einem einfachen Bed & Breakfast. Zudem gibt es Tempelübernachtungen (Shukubo): schlicht, ruhig und oft mit vegetarischen Mahlzeiten, oder ein Machiya, ein traditionelles japanisches Stadthaus oder Apartment.
Neben diesen Optionen gibt es auch die Farmstays (Bauernhofübernachtungen), für mich eine der außergewöhnlichsten Unterkunftsarten überhaupt. Viele japanische Familien entscheiden sich dafür, einen Farmstay anzubieten, um ihren Hof und ihre Traditionen zu bewahren und gleichzeitig neben der Landwirtschaft eine zusätzliche Einnahmequelle zu schaffen. Darüber hinaus ist es ihnen oft wichtig, ihre Lebensweise, die lokale Kultur und ihre Gastfreundschaft mit Besuchern aus dem In- und Ausland zu teilen. Es ist somit nicht nur Tourismus, sondern auch ein Weg, das ländliche Leben lebendig und zukunftsfähig zu halten.
Man schläft meistens in einem Zimmer in einem separaten Teil des Hauses oder in einem kleinen, freistehenden Gebäude auf dem Hof. So kann man selbst entscheiden, wann man die Nähe zur Familie sucht und wann man sich zurückziehen möchte. Ein Aufenthalt von zwei Nächten ist meiner Meinung nach perfekt: lang genug, um richtig anzukommen, und kurz genug, um danach wieder frisch weiterzureisen.
Gerade weil es einen mitten aufs Land zieht, ist ein Farmstay so besonders. Man wohnt meist direkt bei einer Bauernfamilie auf oder ganz in der Nähe ihres Landes. Je nach Jahreszeit kann man beim Pflanzen oder Ernten von beispielsweise Gemüse, Tee oder Reis mithelfen. Und wenn man offen dafür ist, freuen sich die Familien oft sehr, wenn man auch in der Küche anpackt – so bekommt man ganz spontan einen japanischen Kochkurs dazu. Authentischer geht es kaum!
Farmstays findet man in ganz Japan verteilt, vor allem in ländlichen Regionen, in denen das Leben noch sehr eng mit der Natur verbunden ist. Denken Sie zum Beispiel an Shizuoka, Ayabe oder Kameoka, Kyushu, Shikoku, Nord-Honshu und Hokkaido. In all diesen Regionen erleben Sie jeweils eine ganz andere Seite Japans: von grünen Teehügeln über Bergdörfer bis hin zu endlosen Reisfeldern.
Ein Aufenthalt mit der Familie auf einem Farmstay sorgt zweifellos für ein einzigartiges Erlebnis, an das Sie sich alle noch lange gemeinsam erinnern werden! Kinder können oft bei Aktivitäten wie der Gemüseernte, der Tierpflege oder der Zubereitung lokaler Gerichte mitmachen. Alles findet in einem entspannten Tempo statt, sodass viel Raum zum Entdecken bleibt und man einfach herrlich an der frischen Luft sein kann.
Manchmal gibt es sogar Farmstays, auf denen junge Familien leben, sodass Kinder schnell Kontakt zu Gleichaltrigen knüpfen. Das macht es besonders schön und unkompliziert: gemeinsam spielen, gemeinsam essen und zusammen das Bauernhofleben entdecken.
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Was einen Farmstay für mich so einzigartig macht, ist, dass man für einen Moment den klassischen „Reisemodus“ verlässt. Man schaut nicht nur zu oder besichtigt Sehenswürdigkeiten, sondern wird für kurze Zeit Teil des täglichen Lebens. Man isst, was am selben Tag geerntet wurde, packt auf dem Feld mit an und führt Gespräche, die man sonst vielleicht nicht so leicht gehabt hätte. Manchmal zwar ein bisschen mit Händen und Füßen und der Übersetzungs-App auf dem Handy, aber genau das macht den Charme aus.
Es sind gerade diese kleinen Momente der Verbundenheit, die eine Reise durch Japan so viel tiefgründiger machen. Nicht nur die großen Highlights, sondern gerade die Ruhe dazwischen. Denn genau von solchen besonderen Momenten erzählt man doch später seinen Freunden und der Familie, wenn man auf die Reise zurückblickt, oder?
Ob man nun bei Sonnenuntergang durch die Reisfelder spaziert, gemeinsam in einer einfachen Küche kocht oder mit Blick auf die Berge aufwacht: Ein Farmstay zeigt Japan von einer ganz anderen Seite.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man nach ein paar Tagen mit ein bisschen Wehmut wieder abreist… Aber dafür mit einem Kopf voller Erinnerungen, die einen noch lange auf der weiteren Reise begleiten werden.
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