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Chongqing: Wo Wolkenkratzer aus dem Nebel emporragen

Dieser Blog wurde von unserer China-Reiseexpertin Sharon geschrieben.

Mein brandneuer, glänzender Zug aus Chengdu gleitet mit 300 Kilometern pro Stunde durch die Landschaft. Keine Stunde später steige ich in Chongqing aus.
Wenn man bedenkt, dass ich vor 20 Jahren noch fast einen ganzen Tag im Bus zwischen diesen beiden Städten verbracht habe, ist das kaum zu glauben. Es ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie schnell sich China in den letzten Jahren entwickelt hat.

Chongqing ist ohnehin eine Stadt, die man einfach nicht fassen kann. Es wirkt wie in einem Science-Fiction-Film.

Wolkenkratzer stehen hier nicht nebeneinander, sondern übereinander. Brücken überspannen die Höhenunterschiede. Und irgendwo fährt eine Metro mitten durch ein Wohngebäude. Chongqing ist eine Stadt, die den Blick immer wieder nach oben wandern lässt. Und wenn der Abend einbricht, ist es, als ob jemand eine riesige Lichtshow einschaltet.

Zwei Flüsse und eine Stadt, die unaufhaltsam wächst

Chongqing liegt ohnehin an einem spektakulären Ort. Hier fließen zwei große Flüsse zusammen: der Jangtsekiang und der Jialing.

Zwischen diesen Flüssen liegt eine Halbinsel voller neu gebauter Wolkenkratzer und Brücken. Es erinnert mich ein wenig an Manhattan, aber eben auf Hügeln erbaut.

Die Stadt zählt offiziell mehr als 30 Millionen Einwohner und wächst unaufhaltsam weiter. Architekten aus aller Welt bauen hier an neuen Wolkenkratzern, Brücken und Wohnkomplexen. Man kommt kaum hinterher! Das muss man einfach mit eigenen Augen gesehen haben.

Durch die steilen Hügel liegen die Straßen manchmal buchstäblich übereinander. Aufzüge verbinden die verschiedenen Stadtebenen und Rolltreppen verschwinden zwischen den Gebäuden.

Es fühlt sich tatsächlich ein wenig so an, als würde ich durch eine Science-Fiction-Stadt laufen. Besonders am Abend, wenn die Gebäude und Straßen überall auf märchenhafte Weise erleuchtet werden.

Hongyadong bei Sonnenuntergang

Am späten Nachmittag laufe ich in Richtung Hongyadong. Ich habe es schon am Morgen von der großen Brücke, die zur Insel führt, aus gesehen. Ein Fußgänger erzählte mir, dass es vor allem abends ein tolles Erlebnis sei, hindurchzugehen. Gesagt, getan.

Aus der Ferne wirkt der Komplex wie ein riesiges Holzdorf, das an eine Felswand geklebt wurde. Etage über Etage. Balkone, Lampions und hölzerne Galerien. Sobald die Dämmerung einbricht, gehen die zahllosen Lampions an.

Das gesamte Gebäude färbt sich goldgelb und spiegelt sich im Fluss. Auf den Brücken um uns herum ziehen Autos eine Lichtspur nach sich. Überall bleiben Menschen stehen, um Fotos zu machen. Ich verstehe gut, warum Chongqing so oft als eine der spektakulärsten Skylines Chinas bezeichnet wird.

Eine Metro durch ein Wohngebäude

Am nächsten Morgen stehe ich an der Metrostation Liziba. Ich hatte die Fotos zwar schon gesehen, aber es fühlt sich trotzdem seltsam an, hier zu stehen. Denn ja, es ist wirklich wahr: Die Metro fährt hier buchstäblich durch ein Wohngebäude. Wobei ich ehrlich gesagt nicht alleine dort stand. Durch Weibo (die sozialen Medien in China) haben sich hier viele Schaulustige versammelt, die das mit eigenen Augen sehen wollen.

Und tatsächlich: Wenig später höre ich das Geräusch des Zuges. Die Waggons verschwinden mitten im Hochhaus und kommen auf der anderen Seite wieder heraus. Die Menschen um mich herum lachen und machen Fotos. Für die Bewohner scheint es die normalste Sache der Welt zu sein.

Chongqing steckt einfach voller solcher Überraschungen.

Ciqikou: Eine kleine Zeitreise

Nach all der modernen Architektur fühlt sich die Ciqikou Old Town wie eine andere Welt an.

Schmale Gassen, alte Teehäuser und kleine Läden, in denen Snacks, hervorragender Tee und weißes Porzellan, dem das Viertel seinen Namen verdankt, verkauft werden. Während der Ming-Dynastie war dies das Zentrum des Porzellanhandels, und das Viertel ist auch heute noch voller Traditionen. Wer auf der Suche nach einer Sichuan-Oper oder einem Löwentanz während des Frühlingsfestes (Chinesisches Neujahr) ist, ist hier genau richtig.

Der Duft von gerösteten Erdnüssen und Pfeffer liegt in der Luft. Das ist das Chongqing, das ich noch von vor mindestens 30 Jahren kenne. Ich erinnere mich an diese Zeit zurück: Damals saßen die Einwohner an jeder Straßenecke auf kleinen Hockern und aßen Hotpot. Es war immer unglaublich gemütlich und laut. Heute ist es natürlich etwas modernisiert und hip aufgemacht, aber die Atmosphäre ist definitiv geblieben.

In einem Teehaus sitzt eine Gruppe älterer Männer beim Kartenspielen. Die Karten sind schmaler als bei uns, statt Herz und Kreuz sind andere Symbole darauf zu sehen. Eine Frau verkauft handgemachte, traditionelle Süßigkeiten am Stiel. Ein Stück weiter brät ein Straßenkoch scharfen Tofu in einer glühend heißen Pfanne. Den Duft von in der Pfanne zischendem Sichuanpfeffer erkenne ich schon aus 100 Metern Entfernung. Herrlich!

Es ist voller Leben und gemütlich. Schön, dass es dieses Stück historische Chongqing inmitten der hypermodernen, supersonischen Metropole auch noch gibt.

Scharfer Hotpot

Die Provinz Sichuan und damit auch Chongqing ist weltbekannt für ihren Hotpot. Chongqing hat die schärfste Variante ihrer Art zu bieten, und darauf ist die Stadt mehr als stolz!

In dem Restaurant, das ich mir für heute Abend ausgesucht habe, wird ein dampfender Topf Brühe voller Chilischoten und Sichuanpfeffer serviert. Rot, ölig und gefährlich scharf. Mal sehen, ob ich damit umgehen kann.

Jeder kocht seine eigenen Zutaten in der Brühe: Fleisch, Gemüse, Tofu. Schon nach dem ersten Bissen fängt mein Mund an zu kribbeln, meine Zunge tut gerade so noch nicht weh. Ich schaffe es also nur so eben. Der Kellner lacht: „Das ist übrigens noch die milde Variante!“

Die Skyline vom Wasser aus

Am Abend steige ich am Chaotianmen Square auf ein Boot. Langsam fahren wir zwischen den zwei Flüssen hindurch. Die Stadt verwandelt sich währenddessen in eine riesige Lichtshow.

Wolkenkratzer färben sich blau, lila und gold. Brücken leuchten auf. Die Reflexionen tanzen auf dem Wasser. Es fühlt sich ein wenig so an, als würde man durch einen futuristischen Film fahren.

Chongqing ist tagsüber schon beeindruckend, aber vom Wasser aus zeigt sich die Stadt vielleicht von ihrer allerschönsten Seite.

Die buddhistischen Höhlen von Dazu

Am nächsten Tag verlassen wir die Stadt. Nach etwa anderthalb Stunden Fahrt tauchen die Hügel von Dazu auf.

Hier liegt einer der schönsten Kulturschätze Chinas: die Dazu Rock Carvings (Felsmeißelungen von Dazu). Tausende buddhistische Statuen wurden hier zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert aus den Felsen gehauen.

Insgesamt gibt es mehr als 50.000 Statuen und Reliefs. Der bekanntste Ort ist Baodingshan. Hier liegt ein riesiger, liegender Buddha im Parinirvana, und die Reliefs erstrecken sich entlang der gesamten Felswand.

Die Details der Skulpturen sind verblüffend. Figuren, Geschichten und Symbole ziehen sich wie ein steinerner Comicstreifen am Hügel entlang. Da die Region jahrhundertelang recht abgelegen war, sind die Statuen außergewöhnlich gut erhalten geblieben, und das ist in China wahrlich nicht überall der Fall!

Seit 1999 stehen die Höhlen auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Ich bin sehr froh, dass ich mir hierfür einen zusätzlichen Tag Zeit genommen habe. Es war den Ausflug mehr als wert, um genau hier diesen enormen Kontrast zwischen der hypermodernen Metropole und dem traditionellen China der Song-Dynastie zu spüren, als der Buddhismus im Land seine Blütezeit erlebte. Der damals noch als fremd empfundene Buddhismus existierte friedlich Hand in Hand mit dem Konfuzianismus als Staatsordnung und dem Taoismus als erster einheimischer Philosophie.

Ein letzter Blick auf die Stadt

Zurück in Chongqing blicke ich noch ein letztes Mal auf die Skyline. Nebel hängt zwischen den Türmen. Brücken verschwinden halb in den Wolken. Der Fluss strömt träge unter der Stadt hindurch. Chongqing ist eine Stadt der Kontraste. Futuristisch und historisch zugleich. Und vielleicht gerade deshalb so faszinierend.

Tipp von unseren China-Spezialisten

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