Es gibt Länder, die man am besten mit dem Flugzeug durchquert, und Länder, die man erleben muss. Kasachstan gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Die Entfernungen sind gewaltig, die Landschaften verändern sich langsam und eindrucksvoll – und genau deshalb ist der Zug hier nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern ein Erlebnis.
Beliebte Zugstrecken verbinden Städte wie Almaty, Astana und Schymkent, doch das Schönste liegt oft dazwischen. Aus dem Fenster sehen Sie, wie sich die Vororte langsam in leeren Weiten verlieren. Stundenlang scheint es dort nichts zu geben außer Gras, Himmel und hin und wieder einer Pferdeherde. Und dann taucht, beinahe unbemerkt, ein kleiner Bahnhof auf: eine Handvoll Gebäude, ein Bahnsteig und einige Menschen, die winken.
Der Zug hält hier oft länger als erwartet. Zeit genug, um auszusteigen, sich die Beine zu vertreten und bei den örtlichen Verkäufern Snacks zu kaufen: warme Piroschki, geräucherten Fisch oder selbst gemachten Kurut (salzige Käsebällchen). Es sind kleine Begegnungen, die in Erinnerung bleiben.
Kasachstan ist so groß, dass Sie mit langen Zugfahrten rechnen müssen. Die Fahrt von Almaty nach Aktau am Kaspischen Meer – dem Tor zur Region Mangistau – dauert beispielsweise nicht weniger als 55 Stunden.
Auch die Fahrt von Almaty in die neue Hauptstadt Astana dauert noch immer 16 bis 20 Stunden.
Natürlich gibt es auch kürzere Strecken. Sie können die Reise unterbrechen oder nachts fahren und im Schlaf große Entfernungen zurücklegen.
Was Zugreisen in Kasachstan so besonders macht, ist der soziale Aspekt. Sie teilen sich Ihr Abteil mit Studenten, Geschäftsleuten, Großmüttern mit riesigen Taschen und Familien, die auf dem Weg zu einer Hochzeit oder Beerdigung sind. Gespräche ergeben sich ganz von selbst – manchmal mit Händen und Füßen, manchmal mithilfe von Google Übersetzer.
Essen wird geteilt. Jemand holt plötzlich gekochte Eier hervor, jemand anderes Wurst oder Schokolade. Ehe Sie sich versehen, sitzen Sie gemeinsam da, trinken aus kleinen Tassen und hören Lebensgeschichten, die Sie sonst nie kennenlernen würden. Der Zug schafft eine vorübergehende Gemeinschaft, die wieder verschwindet, sobald alle aussteigen.
Da Sie oft lange im Zug unterwegs sind, ist es sinnvoll, für ausreichend Proviant zu sorgen.
In den Zügen gibt es einen Speisewagen, in manchen sogar eine Bar (während in anderen Zügen wiederum kein Alkohol ausgeschenkt werden darf). In den meisten Zügen kommen Verkäufer mit verschiedenen Speisen und Getränken durch die Wagen. Manchmal bleibt der Zug auch eine Viertelstunde an einem Bahnsteig stehen, sodass Sie noch etwas einkaufen können.
Am praktischsten ist es jedoch, ausreichend Verpflegung selbst mitzunehmen. In jedem Waggon gibt es einen Samowar mit heißem Wasser. Nehmen Sie daher einen Becher sowie Instantkaffee, Tee und zum Beispiel Instantnudeln mit.
Wer mit dem Zug durch Kasachstan reist, merkt schnell, dass nicht jeder Zug gleich ist. Das Eisenbahnnetz ist weit verzweigt, und die Züge reichen von modern und komfortabel bis nostalgisch und einfach. Gerade diese Unterschiede machen das Reisen interessant.
Talgo-Züge sind die modernste Option. Diese schnellen, stromlinienförmigen Züge verbinden große Städte wie Almaty und Astana. Sie sind sauber, leise und mit Klimaanlage, Steckdosen und oft sogar WLAN ausgestattet. Ideal, wenn Sie komfortabel reisen und dabei dennoch die Landschaft sehen möchten. Die luxuriösesten Abteile verfügen sogar über eine eigene Toilette und Dusche.
Daneben gibt es die klassischen Fernzüge, oft noch mit sowjetisch anmutenden Waggons. Hier beginnt das echte Zugreiseerlebnis. Sie benötigen mehr Zeit, bieten dafür aber verschiedene Klassen und zeichnen sich durch einen ausgeprägten sozialen Charakter aus.
In diesen Zügen können Sie zwischen drei Hauptklassen wählen:
Platzkart: ein offener Waggon mit Etagenbetten. Weniger Privatsphäre, dafür viel Kontakt zu anderen Reisenden. Ideal, wenn Sie das lokale Leben kennenlernen möchten.
Kupe: abgeschlossene Abteile für vier Personen. Eine gute Balance zwischen Komfort und Geselligkeit.
SV (Lux): geräumige Abteile für zwei Personen. Ruhig und komfortabel, aber auch am teuersten.
Für welchen Zug oder welche Klasse Sie sich auch entscheiden: Jede Option eröffnet Ihnen eine andere Perspektive auf das Land und seine Menschen.
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